Inside RealEstate hat Susanne Ruppel, Inhaberin der Personalberatung HeadQuest in Hamburg, zu den Studien-Ergebnissen befragt, die letzte Woche von Union Investment veröffentlicht wurde:
IR: Frau Ruppel, die Union Investment hat letzte Woche die Ergebnisse einer Studie über Zufriedenheit im Büro veröffentlicht. Dabei wurde „Wohlbefinden im Büro“ am höchsten bewerten. Ist der Arbeitsplatz inzwischen im War for Talents ein entscheidendes Kriterium?
Ruppel: Mit Headquest beraten wir vor allem international tätige Großunternehmen, u.a. auch aus der IT- und Medienbranche. Hier ist die Suche nach hochspezialisierten Fachkräfte und hervorragende Führungskräfte schon seit längerem zu einem Kampf um die besten Köpfe geworden. Insofern spielen inzwischen neben den klassischen Kriterien, wie Renommé des Unternehmens, Größe, Weiterentwicklungsmöglichkeit und Gehalt, auch weiche Faktoren eine Rolle, dazu zählt auch der Arbeitsplatz.
IR: Aber hat nicht gerade diese Branche das Home Office erfunden, so dass Bürogebäude, Lage und Räumlichkeiten nur nebensächlich sind?
Ruppel: Das mag vor zwei Jahren noch gestimmt haben, aber inzwischen wendet sich gerade diese Branche immer stärker vom Home Office ab. Die Mitarbeiterbindung wird zu wenig gefördert, wenn die Angestellten nie oder selten im Büro sind. Und da es immer aufwendiger wird, neue Leute einzustellen, setzt man auf langjährige Bindung.
IR: Das Kriterium „Technische Ausstattung des Arbeitsplatzes“ liegt nur auf Platz 3. Wie beurteilen Sie das?
Ruppel: Das ist natürlich von Branche zu Branche unterschiedlich. Bei den IT-Spezialisten spielt naturgemäß die neueste Technik am Arbeitsplatz eine große Rolle. Allerdings wird dies vorausgesetzt, so dass andere Kriterien vielleicht auch für diese Mitarbeiter eine größere Rolle spielen.
IR: Die Union Investment geht von einer erhöhten Nachfrage von Wohlfühl-Gebäuden in Zukunft aus. Können Sie diese Einschätzung teilen?
Ruppel: Durchaus. Wenn sich ein Kandidat zwischen verschiedenen, gleichwertigen Angeboten entscheiden kann, wird er auch stärker die zusätzlichen Kriterien überprüfen. Da kann es schon sein, dass der Arbeitgeber mit dem attraktiverem Arbeitsplatz das Rennen macht.
IR: Eine letzte Frage, Frau Ruppel: Green Building, Green IT, Nachhaltigkeit – Schlagwörter, die anscheinend eine immer größere Rolle bei den Mitarbeitern einnehmen. Hat schon mal ein Kandidat ein Angebot abgelehnt, weil ihm diese Aspekte zu kurz gekommen sind?
Ruppel: Bisher noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Im Ernst, diese Themen könnten sicherlich auch aufgrund der jüngsten Katastrophen in Zukunft genauso ein Aspekt bei der Auswahl des Arbeitgebers spielen, wie andere weichere Faktoren. Aber im Moment können wir dies in der Praxis noch nicht feststellen.
IR: Vielen Dank für das Interview.



